Besuch im Kurpfälzischen Museum

Am 12.11.25 besuchten die angehenden Sozialpädagogischen Assistenten und Assistentinnen dank großzügiger finanzieller Unterstützung des Verein der Freunde und Förderer der Albert-Schweitzer-Schule (VASS) e. V. das Kurpfälzische Museum in Heidelberg. Wir bekamen von der leitenden Museumspädagogin Frau Wick einen lehrreichen Einblick, wie man mit Kindergartenkindern einen Museumsbesuch gestalten kann.

Die Führung begann im Palais Morass mit den überlebensgroßen Porträts des Kurfürsten Friedrich V. und seiner Gemahlin Elizabeth Stuart. Wir erfuhren, dass sich beide im Alter von 16 kennenlernten und mit 17 Jahren heirateten. Obwohl politisch arrangiert, bis zum Tode Friedrichs (1632 an der Pest), sehr glücklich, davon zeugten schon die 13 gemeinsamen Kinder. Auf die Frage, wie oder aus was der beeindruckende Mantel des Fürsten sei, zeigte Frau Wick ein Bild der Purpurschnecke, wo, von Millionen derselben, der Farbstoff für den Mantel gewonnen wurde. Ein Stück weißes Pelz mit einem kleinen schwarzen Tupfen am Schwanz entpuppte sich als Hermelin. Auch hier könnten die Kinder oder Schüler*innen das Fell, sofern gewünscht, berühren und dadurch erfahren, wie weich der Mantel wohl war, aber auch wie viele Hermeline ihr Leben dafür ließen.

Es ging weiter zu Hyacinthe Rigauds berühmtem Bildnis der Elisabeth Charlotte – die Liselotte von der Pfalz, Enkelin Friedrichs V. und später Ehefrau des Philippe von Orléans, Bruders Ludwigs XIV, dem Sonnenkönig. Auch diese Ehe, politisch arrangiert und für beide problematisch, da er homosexuell war und dies auch offen auslebte. Liselotte blieb nichts anderes übrig, als sich damit zu arrangieren. Sie war eine ungewöhnlich aufgeklärte Frau – Frau Wick zeigte eine große Gänsefeder und fragte, wozu diese wohl früher benutzt wurde. Liselotte schrieb damit nämlich über 5000 Briefe, in denen sie über das höfische Leben in Paris berichtete. Sie liebte die Natur, die Jagd und ließ sich regelmäßig ihre Lieblingswurst aus der Pfalz schicken.

Weiter ging es zum Bild des Hofnarren der seinen Künstlernamen wie folgt bekam:  Auf die Frage, ob er noch einen Becher Wein leeren wolle, habe er stets in Italienisch geantwortet: „Perché no?“ –  also „warum nicht?“. Der Legende nach konnte Perkeo das große Fass, das rund 200.000 Liter fasste, in einem Zug austrinken . Erstaunlicherweise, dass nicht sein großer Weinkonsum, sondern ein versehentlich getrunkener Becher Wasser zu seinem Tode geführt haben soll…

Weiter durch den großen Salon zum Schlafzimmer, das komplett in einer gewebten und schablonierten Seidentapete gehüllt ist. Frau Wick, die leitende Museumspädagogin fragte, wie wohl die Kronleuchter aus Murano/Italien sicher und heil nach Heidelberg transportiert wurden – Hermes, UPS und Luftpolsterfolie gab es seiner Zeit noch nicht – sie wurden tatsächlich, zerlegt in viele Einzelteile, in flüssige Butter gepackt – daher der Ausspruch „alles in Butter!“

Durch die Galerie der alten Meister ging es dann in die Galerie der Moderne, wo wir Gemälde von Wilhelm Trübner betrachteten, ein impressionistischer Heidelberger Künstler. Hier stand der Fokus auf den gewählten Farben – die Schüler durften die vielen Grüntöne anhand von selbstgemischten Farbblätter entdecken – auch eine Idee, die man mit Kindern in der Praxis dann umsetzen kann.

Bei Alexander Kanoldt’s Bild Stillleben XI, 1920, hatte Frau Wick einen großen Korb dabei, in dem die Malutensilien des Bildes versteckt waren. Auch durch diese haptische Erfahrung bekommen Kinder einen ganz anderen Bezug. Das Bild von Karl Schmidt-Rottluff „Mädchen mit Margerite“ wurde durch ein Puzzle desselben „entdeckt“. Dies waren nur einige der museumspädagogischen Ansätze, wie Bildbetrachtungen mit Kindern umgesetzt werden können. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei und wir hatten einen sehr gewinnbringenden Tag erlebt, bei dem die Schülerinnen und Schüler viele Anregungen und Methoden für ihre praktische Arbeit mitnehmen konnten. Vielen Dank nochmals an das VASS für die Finanzierung.

Karin Wörsinger – 2BFSA2