Bericht über die Studienfahrt nach Nürnberg und Dachau

Am 22. und 23.07.2026 besuchten wir, die Kursstufe 12, das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg sowie die KZ Gedenkstätte Dachau. Ziel der Exkursion war es, unser Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus zu vertiefen und die historischen Orte selbst kennenzulernen. Unser erster Programmpunkt war das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Dort erfuhren wir, warum die Nationalsozialisten gerade Nürnberg als Ort für ihre Reichsparteitage auswählten. Die Stadt lag sehr zentral in Deutschland und besaß mit der Kaiserburg eine große symbolische Bedeutung. Hitler wollte damit an das Heilige Römische Reich anknüpfen und sein sogenanntes „Drittes Reich“ als dessen Nachfolger darstellen. Besonders beeindruckend war die riesige Große Straße. Sie wurde extra für Aufmärsche und Paraden gebaut. Die großen quadratischen Granitplatten sorgten für ein geordnetes Erscheinungsbild und waren bewusst nicht glatt, damit niemand ausrutschen konnte. Alles war bis ins kleinste Detail geplant. Die Soldaten trugen beschlagene Stiefel, deren Metallbeschläge beim Gleichschritt einen lauten, einschüchternden Klang erzeugten. Dadurch sollte Macht demonstriert und die Zuschauer beeindruckt werden.

Als ich dort stand, war ich überrascht, wie riesig die Straße war- in Echt wirkte es nochmal ganz anders, als ein Bild aus dem Lehrbuch. Ich finde es wirklich erstaunlich, wie bewusst alles inszeniert wurde, um die Menschen einzuschüchtern und zu beeindrucken. Die Fassade des Gebäudes war mit Granitsteinen aus Steinbrüchen aus ganz Deutschland verkleidet. Dadurch wollten die Nationalsozialisten symbolisieren, dass das gesamte Deutsche Reich zusammengehört und unter ihrer Herrschaft vereint ist. Gleichzeitig sollte dies ein Gemeinschaftsgefühl schaffen und ihre Macht über das gesamte Land verdeutlichen. Somit war auch die Architektur selbst Teil der Propaganda: Die Gebäude wurden bewusst riesig und monumental gebaut, sodass sich die Menschen davor klein und unbedeutend fühlten. Dadurch sollte die Größe und Überlegenheit des nationalsozialistischen Regimes dargestellt und Ehrfurcht erzeugt werden. Einige der verwendeten Steine stammten jedoch aus Skandinavien. Dies wurde bewusst verschwiegen, da es nicht zu der propagandistischen Darstellung eines ausschließlich aus deutschen Materialien errichteten Bauwerks gepasst hätte. Das Zeppelinfeld erhielt seinen Namen, weil Graf Ferdinand von Zeppelin dort im Jahr 1909 mit einem Luftschiff landete. Die Nationalsozialisten änderten den Namen später nicht, da Zeppelin als berühmter deutscher Luftfahrtpionier galt und sein Name gut zu ihrer Propaganda passte. Sie nutzten alles, was deutsche Größe und nationale Stärke symbolisieren konnte, für ihre Inszenierung. Die monumentale Architektur der Tribüne orientierte sich an Bauwerken der Antike und sollte Stärke, Macht und Überlegenheit ausstrahlen.

Außerdem lernten wir, dass selbst das Verhalten der Nationalsozialisten genau geregelt war. Es gab feste Vorschriften dafür, wie sie sich zu verhalten hatten. Ein weiteres Thema war die Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Frauen sollten vor allem Kinder bekommen und die Familie versorgen. Mütter mit vielen Kindern wurden sogar ausgezeichnet – beispielsweise erhielten Frauen mit acht Kindern das Goldene Ehrenkreuz der Deutschen Mutter. Frauen wurden somit fast ausschließlich auf ihre Rolle als Mutter reduziert. Auch die Hitlerjugend spielte eine wichtige Rolle. Sie wirkte auf viele Kinder und Jugendliche zunächst attraktiv, da sie Gemeinschaft, Sport und Freizeitaktivitäten bot. Tatsächlich diente sie aber vor allem dazu, junge Menschen früh im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie zu beeinflussen. Die Jugend wurde als „Generation von morgen“ und zukünftige Wählerschaft angesehen. Ich fand es erschreckend, wie stark sogar Kinder und Jugendliche beeinflusst wurden und wie früh sie mit der Ideologie des Nationalsozialismus in Kontakt kamen- das hätten auch wir sein können!

Am zweiten Tag besuchten wir die KZ-Gedenkstätte Dachau. Das Konzentrationslager Dachau wurde bereits 1933 errichtet und war das erste Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Zunächst wurden dort vor allem politische Gegner inhaftiert, später aber auch Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und viele weitere Menschen, die vom NS-Regime verfolgt wurden. Viele Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten, wurden misshandelt oder verloren dort ihr Leben. Heute dient das ehemalige Konzentrationslager als Gedenkstätte und erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dieser Besuch war für mich der eindrucksvollste Teil der Exkursion. Während das Reichsparteitagsgelände zeigte, wie die Nationalsozialisten ihre Macht inszenierten und Menschen beeinflussten, wurde in Dachau deutlich, welche grausamen Folgen diese Ideologie hatte. Die Atmosphäre auf dem Gelände war bedrückend und regte zum Nachdenken an. Ich hatte ein beklemmendes Gefühl, welches mich auch noch auf der Heimfahrt begleitet hat. Es war etwas völlig anderes, an einem Ort zu stehen, an dem so viele Menschen gelitten haben und ermordet wurden, als nur im Unterricht darüber zu sprechen.

Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir das Zitat: „Wir sind nicht schuld an dem, was passiert ist, aber es ist unsere Verantwortung, dass es sich nicht wiederholt.“ Dieser Satz bringt für mich die Bedeutung unserer Exkursion auf den Punkt. Niemand von uns trägt Verantwortung für die Vergangenheit, aber wir alle tragen Verantwortung dafür, aus der Geschichte zu lernen, demokratische Werte zu schützen und jeder Form von Ausgrenzung, Hass und Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten. Auch heute gibt es weltweit Kriege, Diskriminierung und Angriffe auf die Menschenwürde. Gerade deshalb dürfen wir die Geschichte nicht vergessen. Es ist wichtig, dass wir nicht wegschauen, sondern dass wir uns gegen Hass, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit einsetzen. Wir haben heute die Möglichkeit, unsere Meinung frei zu äußern und unsere Stimme zu nutzen – ein Recht, das vielen Menschen damals genommen wurde und das auch heute nicht überall selbstverständlich ist. Deshalb sollten wir unsere Stimme nicht nur für uns selbst, sondern auch für diejenigen einsetzen, die keine haben oder nicht gehört werden. Nur wenn wir Verantwortung übernehmen und nicht wegsehen, können wir dazu beitragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Wir alle können dazu beitragen, dass die Welt ein besserer Ort wird.

Fazit: Insgesamt war die Studienfahrt sehr lehrreich und bewegend. Sie hat mir gezeigt, wie gezielt Propaganda und Architektur eingesetzt wurden, um Menschen zu beeinflussen, und gleichzeitig, welche verheerenden Folgen die nationalsozialistische Diktatur hatte. Gerade in einer Zeit, in der Hass und Ausgrenzung auch heute noch existieren, ist es wichtiger denn je, für Demokratie, Toleranz und Menschlichkeit einzustehen. Der Besuch der historischen Orte hat das, was wir im Unterricht gelernt haben, greifbarer gemacht und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Monja Ditté (SGG12.2)

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